Manifest

Der Marsch für Menschenwürde und Menschenrechte ist eine konkrete Aktion der demokratischen Beteiligung  «von unten». Die Aktion richtet sich gegen eine Asylpolitik, die ständig verschärft wird, und soll gleichzeitig  Ausdruck der Solidarität sein mit den Menschen, die in unserem Land Zuflucht suchen. Mit den  Entscheidungen des Bundes, der Kantone und der Gemeinden entfernen wir uns von unserer humanitären  Tradition, die für uns prägend ist und insbesondere für die Friedensförderung, die Verteidigung der  Menschenrechte, des internationalen Völkerrechts und der Rechtsstaatlichkeit steht. Seit Jahren machen sich  viele Organisationen Sorgen wegen der ständigen Verschärfungen des Asylrechts. In letzter Zeit hat sich die  Situation verschlimmert : bezüglich der Aufnahme (Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche, Kürzung der  Unterstützung, Zunahme nicht behandelter Asylanträge, Verweigerung von humanitären Visa für schwer  kranke Personen oder für den Familiennachzug, usw.) oder bezüglich der administrativen und rechtlichen  Situation (Erschwerung des Zugangs zur Staatsbürgerschaft, Rückweisungen im Rahmen der Dublin-  Verordnung ohne Rücksicht auf das Recht zur Wahrung der Einheit der Familie, Rückführungen in nicht  sichere Drittstaaten, Sanktionen gegen Personen, die Unterstützung im Rahmen der Sozialfürsorge beziehen,  Verbot von Auslandreisen für Personen mit Ausweis N oder F sogar dann, wenn sie minderjährig sind, usw.).

Die Massnahmen zur Abschreckung von nicht erwünschten Personen sind zunehmend gewalttätiger und  verletzen das Recht auf Bewegungsfreiheit (massiver Einsatz der Administrativhaft und anderer  Zwangsmassnahmen).  Um diese Politik anzuprangern haben wir uns entschieden, die Schweiz zu Fuss zu durchqueren und so den  Abgewiesenen und Asylsuchenden in den Dörfern und Städten eine Stimme zu geben. Wir werden mit ihnen  marschieren, um Brücken zu bauen und um zu zeigen, dass es eine solidarische Schweiz gibt, die offen und  bereit ist, sich für die Grundrechte der Asylsuchenden einzusetzen: Recht auf Arbeit, Recht auf die  Zusammenführung der Familie, auf die Staatsbürgerschaft, auf die menschliche Würde. Das Boot ist nicht voll.  Es reicht, ein wenig Platz zu machen, sodass jede Person ihren oder seinen Platz findet.  Mehrere Petitionen verlangen vom Bundesrat, dass mehr Asylsuchende aufgenommen werden, sowie eine  offenere Migrationspolitik, die die Menschenrechte respektiert: Petition gegen die blinde Anwendung der  Dublin-Verordnung, Rispettiamo il diritto svizzero sull‘asilo. Wir werden quer durch die Schweiz  WortführerInnen sein für diese Forderungen der Zivilgesellschaft und unzähliger Vereinigungen und NGOs,  die auf verschiedenen Ebenen den MigrantInnen nahestehen und für deren Rechte kämpfen.

Mit dem Marsch für Menschenwürde und Menschenrechte verlangen wir die Öffnung der Grenzen, das Ende  der Abweisungen, das Ende einer Politik der Kontrolle und der Verfolgung der Asylsuchenden. Wir rufen dazu  auf, humanitäre Korridore zu schaffen, um die Familienzusammenführungen zu ermöglichen. Wir verlangen  die Respektierung der internationalen Konventionen zum Schutz von unbegleiteten Minderjährigen. Die  Staaten stehen in der Pflicht, sie zu schützen und zu unterstützen sowie das Verbot der Rück- und Ausweisung  zu respektieren.

Gehen wir gemeinsam durch die ganze Schweiz, begegnen wir der Bevölkerung und öffnen wir unsere Herzen  und unser Bewusstsein!